Die Wahrheit - Der Christ

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Der Christ

Ich bin in einer christlichen Gesellschaft aufgewachsen und lebe noch in ihr, und dennoch bin ich keinem Christen begegnet. Und als Christen erkenne ich jedoch nur jene an, die ihren Glauben auch praktizieren. Denn man bezeichnet zum Beispiel jemanden auch nicht als Fußballer, der zwar irgendwann mal in jungen Jahren gegen einen Ball getreten hat und heute gelegentlich als Zuschauer ein Stadion betritt, diesen Sport aber keineswegs aktiv betreibt.

Was bedeutet es heute ein Christ zu sein? Liegt die Bedeutung darin einmal in der Woche, wenn überhaupt die Kirche zu betreten? Oder besteht die Aufgabe darin, die Konfirmation bzw. die Kommunion hinter sich zu bringen? Oder sind Christen Christen, weil sie gute Werke tun?

Eigenartigerweise ist meine erste Assoziation, wenn ich das Wort Christ höre, Jesus oder vielleicht sogar Kirche. Ich bin mir nicht ganz sicher. Geht es Ihnen auch so? Wo ist Gott? In unserem Wortschatz ist er in verschiedensten Formen wie zum Beispiel „Grüß Gott“, „Gott sei Dank“ oder auch „Gott behüte“ zahlreich vorhanden. In unserem Verstand allerdings kann ich ihn nicht erkennen. Dies beweist mir immer wieder die Reaktion meiner „christlichen“ Gesprächspartner, die meine bewusste Rede über Allah stets mit einem ungläubigen Blick erwidern. Jene Reaktion vermisse ich jedoch insbesondere dann, wenn sie in Scharen als Touristen in die riesigen Kirchen hineinströmen, um deren Fresken und Skulpturen zu bewundern. Oder wenn man ihnen klar macht, dass ein Dorf ohne Kirche in Deutschland nicht existiert. Scheinbar bringen sie die Kirche nicht in Verbindung mit demselben Gott, von dem ich geredet habe. Aber es gibt nur den einen Gott. Er ist auch nicht evangelisch oder katholisch.

Wo ist nun diese christliche Gesellschaft, von der allerdings nur dann die Rede ist, wenn keine Argumente mehr einfallen? „Ja aber in der Schule hatten wir doch Religion!“ Ach ja, stimmt! Mein Lehrer hat mir, glaube ich, damals eine vier gegeben, weil ich die Hausaufgaben oft nicht gemacht habe. Statt die Schüler in guter Weise zusammenzuführen, war Religion das erste Fach auf dem Gymnasium, das die Schüler einer Klassengemeinschaft getrennt hat und zwar in eine evangelische, katholische und eine atheistische Gruppe. Später gab man uns sogar die Möglichkeit dieses Fach abzuwählen, was schließlich viele Schüler auch taten, um mehr Freistunden zu ergattern. Auch ich war unter denjenigen die sich jenes Recht zu Nutze machten, um sich mehr Lücken im Stundenplan zu verschaffen, aber auch aus dem Grund, dass kein Interesse von meiner Seite vorhanden war, weil ich nicht erfassen konnte, um was es in diesem Fach eigentlich ging. Der Lehrer erzählte uns zwar einiges über Jesus, Paulus und Noah und ferner über historische Ereignisse, seltener erwähnte er jedoch Gott und Beweise seiner Existenz, und noch seltener bis gar nicht den Tod. Spätestens dann wäre mein Interesse geweckt worden, denn das Bewusstsein vom Tod, war bei mir bereits in jungen Jahren sehr ausgeprägt.

Der Grund für die Existenz des Faches Religion liegt eindeutig in der Existenz Gottes. Das bedeutet, ich entscheide mich erst einmal für einen katholischen oder evangelischen Gott, um ihn dann später abwählen zu können aus welchen Gründen auch immer. Hört sich komisch an, so klingt es aber, wenn man nicht versucht die Tatsachen zu verdecken. Ich denke, diese Aussagen verdeutlichen, dass man das Fach Sport nicht mit Gott auf eine Ebene stellen kann. Es war jedoch meistens so, dass ein Leistungskurs Sport fast immer Zustande kam, das Fach Religion nur sehr selten.

Nehmen wir mal an, dieses Thema hätte die Berechtigung ein Schulfach zu sein, was wären die Aufgaben des Lehrers gewesen? Wenn Gott existiert, existiert auch das Leben nach dem Tod. Folglich gibt es auch Bestrafung und Belohnung. Das Unterrichtsziel hätte im Groben lauten müssen: Wie entgehe ich der Bestrafung und wie bekomme ich Belohnung? Und nicht: Wie komme ich am besten auf eine eins?

Die Schule ist also eine Institution, die junge und unerfahrene Menschen auf ihr zukünftiges Leben vorbereiten soll. Eben, auf das Leben und nicht auf den Tod! Also hat Schule mit Gott nichts gemein.

An dieser Stelle möchte ich etwas Grundlegendes erläutern. In der Frage Gottes gibt es nur ein entweder oder. Schwarz oder Weiß. Ja oder Nein. Aber kein Jein!!! Wenn Gott nicht existiert, dann sind folgende Dinge absolut überflüssig und unsinnig: alle Kirchen der Welt, Sonntagsmessen, kirchliche Trauung, Weihnachten, Ostern, Bestattungen, der Papst, das Fach Religion, unser Datum und noch viele andere Dinge wären zu erwähnen. Geht man jedoch davon aus, dass Gott wahrhaftig ist, dann wissen wir, dass er jedes Atom somit auch den Menschen erschaffen hat. Dann wissen wir, dass die Wissenschaft nicht alles weiß. Dann wissen wir, dass wir wiederauferstehen werden. Dann wissen wir, dass es Paradies und Hölle gibt. Dann wissen wir, dass unser kurzes Leben eine Prüfung ist. Und wir wissen auch, dass unser Tun Konsequenzen trägt. Und dies ist meines Erachtens die Einsicht, die in unserer „christlichen“ Gesellschaft überhaupt nicht existiert. Geht es hier darum ein gutes Zeugnis abzuliefern, einen angesehenen Job zu erlangen und gut auszusehen? Oder geht es schlicht und ergreifend darum Gott zu gefallen, indem wir ihn nicht vergessen und in seinem Sinne handeln? Ich befürchte, wir halten uns an die erstgenannte Aufgabe. Oder täusche ich mich und verkenne jenen, der beliebt ist, weil er gottesfürchtig ist? Und es ist nicht dieser, der promoviert hat und von Gott nichts weiß.

Diejenigen, die nicht an Gott und an das Jüngste Gericht glauben, spreche ich hiermit nicht an, weil sie keine Fehler machen können. Aber jene, die von Gott reden, sollten sich seiner Größe und Macht bewusst sein und ihre Ziele noch einmal überdenken. Und eigentlich bräuchte er nicht einmal eine Leitung für seine Taten, da jeder Mensch mit einem Gewissen ausgestattet ist, das sich durch Zeit und Umgebung auch negativ beeinflussen lässt. Ursprünglich weiß er ganz genau, was richtig und was falsch ist. Genauso wüsste er auch, was zu tun wäre, wenn sich Gott am Himmel zeigen würde. Er würde auf die Knie fallen und in Ehrfurcht erstarren. Ich will damit sagen, dass die meisten Christen, wenn sie bewusst an Gott und die Konsequenzen sprich Jüngsten Tag glauben würden, ihr Leben neu einrichten würden. Folglich würden sie ihren Gottesdienst nicht nur in der Kirche absolvieren sondern in ihren Alltag integrieren. Auf diese Weise dient man Gott, was man in Arabisch als Islam bezeichnet, und nicht indem man dem Pfarrer Recht gibt, ein Gebet spricht und Gott in der Kirche lässt.

Was macht eine Gesellschaft zu einer christlichen Gesellschaft? Etwa die Tatsache, dass die Mehrheit der Bewohner eines Staates im Säuglingsalter oder auch etwas später Zeugen ihrer Taufe waren, an die die meisten sich gar nicht mehr erinnern? Somit bleiben sie ihr ganzes Leben lang Christen, außer sie entsagen sich der Religion vielleicht aus finanziellen Gründen. Wie kann er aber Ungläubig und trotzdem ein Christ sein? Wie kann er ein Christ sein und die Verpflichtungen, den ein Christ nachgehen sollte, nicht kennen? Zum Beispiel die Zehn Gebote, die nur einen Teil der Aufgaben darstellt. Jeder dreißigste auf der Straße kann sie vielleicht komplett aufsagen. Christ ist schwarz und weiß. Ist ja und nein. Jeder, der einmal gegen einen Ball getreten hat ist Fußballer. Christ sein hat nicht immer was mit Gott zu tun. Womit dann?

Mit Heuchelei. Ich kann und möchte auch nicht einzelne Menschen beurteilen. Nur Gott allein weiß, was sich in den Herzen der Menschen tatsächlich verbirgt. Ich will Dir lediglich zeigen, was sich unter dem Denkmantel „Christentum“ verbirgt. In diesem Zusammenhang nenne ich immer wieder gerne eine politische Partei, die zurzeit die Regierung bildet: die CDU bzw. Christliche Demokratische Union. Nur noch einmal zur Verdeutlichung: Christen sind Anhänger der Religion, die Jesus offenbarte. Er war nämlich ein Gesandter Gottes, ein gottergebener Diener. Er war 100%ig von Gottes Existenz überzeugt. Und Jesus ist das Vorbild eines jeden Christen. Üblicherweise versucht man Vorbildern nachzuahmen, sowie die CDU das tut, oder etwa nicht? Was hat diese Partei mit Jesus gemein, geschweige denn mit Gott? Noch nie habe ich eine Rede eines Politikers dieser Partei mit der Einleitung „Im Namen Gottes“ gehört! Warum sagen sie uns nicht, dass wir gute Christen sein sollen, damit Gott mit uns zufrieden ist und uns nicht bestraft? Ist das nicht wichtiger als die Rentenreform, wo wir doch als Christen wissen, dass wir auferstehen und ewig leben werden? Warum weist er uns nicht den Weg ins Paradies, statt in das nächste Wahllokal? Mit dem Wort „christlich“ versucht diese Interessensgemeinschaft ihre wahren Absichten, nämlich an der Macht zu bleiben, zu verdecken.

Nein, ich sage nicht, dass alle Christen Heuchler sind. Ich möchte hiermit lediglich betonen, dass das Christ sein in unserer Zeit nur noch Formsache ist und sich jeder Praxis entzieht. Natürlich gibt es auch praktizierende Christen, die die Grundvorrausetzungen eines gläubigen Menschen, nämlich an Gott und den Jüngsten Tag zu glauben, erfüllen. Dabei denke ich in erster Linie an Priester und Nonnen. Hast Du Dir mal die Frage gestellt, warum eine Nonne Nonne geworden ist? Sicherlich nicht aus dem Grund, weil sie keinen anderen Job gefunden hat, da das doch einige schwerwiegende Entbehrungen mit sich zieht, sondern weil sie an Gott und seine Propheten glaubt. Das bedeutet, sie hat sich Gott und seinen Gesetzen hingegeben. Sie betet sechs Mal am Tag und trägt ein Kopftuch, weil das Gott von einer gläubigen Frau erwartet. Sind denn die „normalen“ Frauen nicht gläubig oder kennen sie den Inhalt ihres heiligen Buches nicht? Wollte Gott, dass nur die Nonnen sein Gesetz respektieren? Und plötzlich entdecken wir muslimische Frauen, die Kopftücher tragen, und nicht aus dem Grund sich abgrenzen zu wollen oder andere Menschen zu ärgern. Nein, sie tragen sie, weil sie Gottes Gesetze respektieren und keine Kompromisse eingehen können. Und letztlich sind sie es, die darüber entscheiden ob sie ihr Haupt bedecken oder nicht. Man darf sie nicht dazu zwingen! Darf man sie denn dann zwingen kein Kopftuch zu tragen, wie es zurzeit in Frankreich der Fall ist? Warum verbieten sie es nicht den Nonnen?

Gott wollte bestimmt, dass sich alle an seine Gesetze halten und nicht nur ein bestimmter geringer Teil der Bevölkerung. Doch in diesem Fall wäre das fatal, da das Christentum für seine Vertreter ursprünglich das Zölibat vorschreibt. Und somit würde die Menschheit nach Einhaltung jener christlichen Gesetze in kürzester Zeit von der Erdkugel verschwunden sein, was Gottes Wille bestimmt nicht ist. Also stoßen wir hier auf folgenschwere Widersprüche, die im Christentum immer noch vorherrschen. Der Islam dagegen segnet den ehelichen Bund zwischen zwei gläubigen Menschen. Allein die natürliche Beschaffenheit von Mann und Frau lässt keinen Zweifel aufkommen, dass diese zusammengehören.

Eigentlich ist es offensichtlich, und ich könnte mir die Mühe sparen dich darauf hinzuweisen, dass unsere Gesellschaft von einer Gottesfürchtigen weit entfernt ist. Aber zu dieser Erkenntnis kommen die meisten Menschen einfach nicht, unter anderem weil sie keine Zeit mehr zum Denken haben oder weil sie das Denken anderen überlassen. Obwohl sie sich selber immer wieder über den alljährlichen Weihnachtsstress, wo Massen von Menschen mit genervten Gesichtern und geplagten Gliedern in die Städte eilen und sich wie Schafe in die Einkaufshallen hineinzwängen, beklagen. Abends laufen sie dann mit der Weihnachtsmaske auf den Gesichtern um den Moderngeschmückten Tannenbaum und singen heilige Lieder, um dann den Akt der Bescherung, der oft einer Werbesendung für Markenartikel gleicht, zu vollziehen. Und plötzlich erkennt man Sorgenfalten in den Gesichtern der Kinder, die sich nun überlegen müssen, wohin sie noch gehen könnten, denn so kann man den Abend doch nicht zu Ende gehen lassen. Doch die Falten verschwinden schnell. Die Kids fahren in die nächste Disco oder Party, um sich dann zu Technoklängen in Extase zu tanzen und sämtliche Rauschmittel reinzujagen. Das ist deren Art der Geburt Jesus zu gedenken.

Wen kann das noch wundern, wenn man den Kindern die Existenz eines Weihnachtsmannes versucht in allen lächerlichen Formen zu beweisen, statt ihnen die Existenz Gottes zu beweisen und ihnen die Bedeutung seines Propheten Jesus von Nazareth zu erläutern? Manche tun dies auch, aber leider nur an Weihnachten, oder an kirchlichen Feiertagen oder sogar jeden Sonntag. Warum nicht jeden Tag bei jeder Gelegenheit? Warum nicht mit jedem Baum? Warum nicht mit jedem Tier? Warum nicht mit jeder Ameise, von der wir wissen, dass sie eine eigene Sprache hat? Hat Gott nur bestimmten Tagen Legalität gegeben, um über ihn zu reden? Die Weiberfastnacht oder der Rosenmontag sind keine Tage, an denen wir Gott gedenken sollten ganz im Gegenteil. Die Weihnachtsmasken sind abgelegt und nun sind die Karnevalsmasken an der Reihe. Und derjenige der immer noch eine Weihnachtsmaske trägt wird problemlos erkannt, da man in seinen Augen Friede und Besinnlichkeit statt Spaß und Begierde lesen kann. Und so hat jede Zeit ihre Maske. Setzt Du sie nicht auf, wirst Du in dieser Gesellschaft ausgegrenzt, denn die Menschen schauen sich ungern ihr eigenes Gewissen an. Sie wenden sich von der Wahrheit ab. Sie können vor ihr aber nicht weglaufen, denn die Wahrheit ist in ihren Herzen!

Darf ich den Begriff Osterhase in den Raum werfen? Darf ich auch Jesus erwähnen? Gestattest Du mir auch, dass ich den Osterhasen und Jesus Christus in einen Satz unterbringe? Soll ich noch irgendetwas dazu sagen? Ich denke nicht.

Wo ist die Kirche, die es besser wissen sollte, die den Glauben wieder gerade rückt? Die sagt, dass man an Jesus Leidensweg nicht gedenken sollte, indem man bunte Eier sucht oder einen lila Schmunzelhasen verspeist? Ich sehe diese Kirche nicht, die sich entschieden in der Öffentlichkeit gegen diese Missstände einsetzt. Ich sehe einen alten unmotivierten Papst in der Welt umherreisen, die Erde küssen und frohe Ostern in hundert Sprachen senden. Gelangweilt setzt er einige Dogmen aus und warnt die Menschen vor Geschlechtsverhütung. Er lebt im Vatikan und hat viel Geld. Das ist es, was man vom Führer der Katholiken und vor allen Dingen der katholischen Kirche kennt. Ist das nicht lediglich ein zu Schaustellen oder ein Beweis des „Wir sind noch da“? Wo ist die Leidenschaft eines Mannes, von dem man behauptet, er wäre Gott am nahesten, sich für seinen Gott einzusetzen und die Krankheiten unserer Gesellschaft beim Namen zu nennen? Wenn er Gott so nah ist, warum weint er nicht vor Freude, wenn er seinen Namen erwähnt? Stattdessen liest er stur einen Text von seinem Zettel herunter, ohne nur eine Regung eines menschlichen Gefühls zu zeigen. Hier zeigt sich für mich die Diskrepanz zwischen Mensch und Kirche. Allzu deutlich war das Phänomen im Mittelalter erkennbar, da die Kirche neben dem Adel und über dem Bürgertum und den Bauern einen eigenen Stand als Klerus bildete. Und dieser nahm deutlich eine herrschende statt leitende Position in der Gesellschaft ein, von der sie gezwungen war, immer mehr Abstand zu nehmen, da die Menschen ihre Arroganz und ihre Politik missbilligten. Und heute ist die Kirche an einen Punkt angelangt, wo sie nur noch die Rolle eines Ratgebers spielt und ihre Autorität verloren hat. Und nicht die Gesellschaft trägt die Schuld, sondern die Kirche selbst. Denn wenn sie früher versucht hätte, sich mit den einfachen Menschen zu verschmelzen und eine Einheit zu bilden, statt sich hochmütig emporzuheben und zu herrschen und auf eigene Interessen bedacht zu sein, dann wäre die Lage der Kirche heute eine andere. Allein das Wort Kirche beschreibt die Misere, denn wenn der Glaube im Vordergrund wäre statt eine Institution, stünde das Wort Christentum an jener Stelle statt Kirche. Denn die Muslime reden über Religion nicht von der Moschee sondern vom Islam. Die Moschee als Institution existiert nicht, sie beschreibt lediglich einen Raum, indem sich Gläubige versammeln und sonst nichts.

An dieser Stelle kommt normalerweise das Argument, dass sich die heutige Kirche von der damaligen unterscheidet. Wir sollten aber nicht vergessen, dass sich die Kirche nicht aus eigener Initiative verändert hat bzw. dass sie nicht zur rechten Zeit Einsicht gezeigt hat, sondern dass sie sich den gesellschaftlichen und politischen Veränderungen anpassen musste, da sie sonst auf der Strecke geblieben wäre, was heute vielleicht der Fall ist. Die frühe Kirche hat Wurzeln geschlagen und die heutige trägt die Blätter. Sie sind zwar hübsch anzusehen, haben aber einen kaputten Stamm. Es ist immer derselbe Baum geblieben. Ein Mörder kann sich noch so gut bessern, vollkommen vertrauen wird man ihm nie. Wäre die damalige Kirche wahrhaftig gewesen und hätte den Glauben in den Vordergrund gestellt, wäre sie heute nicht in diesem Dilemma. Sie ist das Ergebnis, die Quittung vergangener Taten. Ein Auswurf von Vorgängen, etwas Totes und unproduktives. Statt eine dynamische Kraft zu sein, fungiert sie nur noch als Verzierung eines atheistischen Staates. Die Demokratie schlägt in die Tasten und die Kirche klatscht im Takt. Wie oft sehen wir im Fernsehen, dass sich bei diversen politischen Veranstaltungen oder bei Staatsempfängen hohe Geistliche zwischen Politikern tummeln. Sie stehen meistens nur da in ihren schönen Gewändern und verleihen der Veranstaltung oder gar einem Beschluss das göttliche Wohlwollen.

Die Kirche ist nicht in der Lage Ketten zu sprengen oder eine geistige Revolution zu entfachen. Dafür ist sie zu schwach bzw. zu unlebendig. Und das wird sich auch nicht ändern, wenn wir nur einmal an die Kids denken, die ihre Andacht im Rausch und Tanz finden.

Zur Schulzeiten habe ich eine Aufführung des Musicals „Jesus Christ Superstar" gesehen. In einer bekannten Programmzeitschrift las ich eine Bemerkung über eine Verfilmung von Jesus Leben, in der es hieß, dass es sich hierbei um eine Legende handelt. „The Life of Brian“ zählte zu den erfolgreichsten Filmen unserer Zeit. Er ist eine Persiflage auf Jesus Leben. Diejenigen, die solches und ähnliches sehen und hören, aber keine Bedenken und Einwände haben, dürften sich normalerweise über meine Ansichten über das Christentum und die Kirche nicht empören, denn wenn sie es tun, sind sie die Heuchler, die ich unter anderem in meinen Äußerungen erwähnte. Sie beschützen etwas, was sie gar nicht vertreten und nicht einmal verstehen. Sie stehen als Torwart neben dem Tor und versuchen das Spiel zu gewinnen. Sie wissen nichts von ihrer Religion, versuchen uns aber über unsere zu belehren. Erst wenn sie gelernt haben und glauben, können wir uns über Gott unterhalten. Dann werden sie auch begreifen, dass Jesus kein Superstar war.

Ich komme zu dem Ergebnis, dass eine christliche Gesellschaft bzw. christlicher Staat nicht existiert. Die wenigen noch praktizierenden Christen zählen eher zu den Außenseitern, denn wer wird schon ernst genommen, der von Gott und dem Jüngsten Tag spricht und das noch frecherweise an Karneval. Hier herrscht Zügellosigkeit statt Enthaltsamkeit. Und Hochmut statt Demut. Unglaube statt Glaube!

Du sollst dir kein Bildnis machen von Gott!“ Dies ist eine klare Aussage und eines der Zehn Gebote Gottes, das die Menschen jedoch ständig übertreten. Die Ursachen dafür sind deutlich, denn Kinder zum Beispiel werden in Schulen aufgefordert, ihren Gott auf einem Stück Papier zu malen. Und in dem Moment, wo dies geschieht, haben sie ihn in ihren Köpfen seiner Macht und Größe beraubt. Denn das, was sie zu Papier bringen, hat meistens ein Gesicht mit einem Bart, langes graues Haar und zwei Hände und sitzt auf einer Wolke. „Vielleicht ist er dann doch nicht so stark, wie alle immer erzählen, denn er sieht doch genauso aus wie wir und ist dabei noch sehr, alt.“ Das sind vielleicht die Gedanken eines Kindes, das man anspornt sich ein Bild von Gott zu machen, die sich möglicherweise in den Verstand der Menschen festsetzen.

Ist es nicht eigenartig, dass fast alle Kinder, die in einer christlichen Gesellschaft aufwachsen, eine identische Vorstellung von Gott haben? Er sieht nämlich meistens so aus, wie ich ihn oben schon beschrieben habe. Die Kinder haben keinen anderen gemalt als Jesus Christus. Die Kirche lehrt sie ja, dass Jesus Gottes Sohn, zugleich der Vater selbst und dazu noch der heilige Geist ist. Aber das verstehen Kinder genauso wenig wie wir Erwachsenen. Sie wissen nur das Gott so ähnlich aussehen könnte, müsste wie Jesus, weil er mindestens sein Vater ist und die meisten Kinder haben nun einmal Ähnlichkeiten mit ihren Vätern. Die Kirche hat Gott vermenschlicht, indem sie ihm einen Sohn zuschreibt, so dass die Christen ihm dem Menschen ebenbürtige Eigenschaften unterstellen und somit seine Macht und sein Wissen eventuell auf Grenzen stößt. An dieser Stelle möchte ich den verwirrenden christlichen Vorstellungen von Gott mit folgender Sure aus dem Koran entgegnen: „Sprich: Er ist Allah, ein Einziger, Allah, der Absolute (Ewig Unabhängige, von Dem alles abhängt). Er zeugt nicht und ist nicht gezeugt worden, und Ihm ebenbürtig ist keiner.“ (Quran 112:1-4)